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Aktuelles

So ist das Leben

Kurz vor ihrem 44. Geburtstag schlägt das Schicksal knallhart zu: Brustkrebs lautet die Diagnose. Was sie danach erlebt, hat die Kölner Journalistin und PR-Beraterin Dr. Petra Zahrt in ihrem Buch „Auf den zweiten Blick“ niedergeschrieben. Aus diesem las sie nun auf Einladung des Brustzentrums Siegen-Olpe, eine Kooperation der Frauenkliniken im Diakonie Klinikum Jung-Stilling und St. Marienkrankenhaus in Siegen sowie im St. Martinus-Hospital Olpe, im Kulturhaus Lÿz in Siegen vor. Ihr Rat an Betroffene: Das Leben als Chance begreifen und wo das nicht geht, es annehmen.

Ursprünglich war das Buch als Fotodokumentation geplant. „Es war morgens um 4.30 Uhr im Krankenhaus nach der dritten und letzten Operation“, erinnert sich Petra Zahrt. „Nach langen Wochen des Überlegens hatte ich plötzlich das Gefühl: Daraus machst du jetzt was.“ Sie steht auf und bittet die Nachtschwester um ein Foto. Im Laufe der nächsten Wochen und Monate kommen weitere Fotos dazu, von ihr selber, Krankenhausfluren und Urlaubsaufenthalten am Meer. Weil ihr die Fotos nicht ausreichen, um das Erlebte zu dokumentieren, beginnt sie, Interviews mit Ärzten, Freunden und der Familie zu führen.

 So entsteht das Buch „Auf den zweiten Blick“, aus dem sie den aufmerksamen Zuhörern im Lÿz eine Stunde lang vorliest. Der Titel des Buches hält dabei was er verspricht: Die Autorin hat immer wieder genau hingeschaut. In den Spiegel, nachdem sie sich vor der Chemotherapie die Haare hat abrasieren lassen, und in dem sie erst auf den zweiten Blick erkennt, dass sie noch sie selbst ist. Aber auch genau auf die Erkrankung und was sie mit ihr gemacht hat. „Der Brustkrebs hat mein Leben so dermaßen auf den Kopf gestellt, dass ich in meinen Taschen kaum mehr etwas wiederfinde“, sagt Petra Zahrt. Nach der Diagnose folgen Operationen, Chemo- und Strahlentherapie sowie psychoonkologische Betreuung und Reha: „Das komplette Programm.“ Eindrücklich beschreibt die Autorin, wie die Krankheit sie eingeschränkt hat, vor allem die Angst. „Es ist mein Kopf und meine Seele, die nicht zur Ruhe kommen.“ Auch Wut mischt sich in die Gedanken. Aber auf den zweiten Blick entdeckt Petra Zahrt immer wieder auch Freiräume und beschreibt Veränderungen und Experimente, die ihr geholfen haben, mit der Erkrankung umzugehen. „Nie zuvor habe ich einen solchen Drang nach Veränderung gespürt, ich mache Sport, habe meine Ernährung umgestellt und bin sensibler für meine und die Bedürfnisse der Menschen, die mir wichtig sind.“ Das Leben gehe weiter. „Manches deutlich schlechter, manches unverändert, manches aber auch besser“, fasst die Autorin die Zeit zusammen, die sie nicht wollte, aber angenommen und bewältigt hat.

Dieser Kampfgeist kommt vor allem in zwei Zitaten im Buch zum Ausdruck. „So ist das Leben“ – dieser Satz ihrer Mutter, der im Buch öfters auftaucht, und der damit korrespondierende Rat eines Psychoonkologen: „Seien Sie krisenfreundlich. Ich kann durch Krisenfreundlichkeit nicht verhindern, dass ich absaufe, durchgerüttelt werde, aber ich komme besser durch, weil ich mich nicht dagegen wehre.“ Dass sich Petra Zahrt dieses Bewältigungsmuster zu Herzen genommen hat, ist an diesem Abend in Siegen deutlich zu spüren. 

Mit rund 70.000 Diagnosen im Jahr ist Brustkrebs bei Frauen in Deutschland die häufigste Krebserkrankung. Doch im Gegenzug können immer mehr betroffene Frauen Dank neuer Behandlungsmethoden mit einer dauerhaften Heilung rechnen, wenn die Behandlungskonzepte individuell abgestimmt werden. Im Brustzentrum Siegen-Olpe arbeiten deshalb Spezialisten aus verschiedenen Fachabteilungen zusammen und betreuen, pflegen und operieren jährlich über 450 neu erkrankte Frauen.